Abflachung der Lebenseinkommenskurve

Die Lebenseinkommenskurve muss abgeflacht werden.

Bürger und Bürgerinnen haben gerade dann die höchsten Lebensausgaben, wenn sie noch relativ wenig verdienen. Wohnraum-, Mobilitätsinvestitionen und Familiengründung finden meist in der jungen Lebenszeit statt, wenn der Verdienst noch nicht sehr hoch ist. Dabei sind diese die höchsten Ausgaben gemessen am Lebenseinkommen.

Bürger und Bürgerinnen im fortgeschrittenen Alter genießen jedoch ihre (meist) recht üppig ausgestatteten Pensionen, für die sie auch ihr Leben lang gearbeitet haben. Allerdings sind diese ehemaligen Einzahlungen der aktuellen Pensionisten und Pensionistinnen nicht mehr im System verfügbar sondern längst anderwärtig ausgegeben, da nicht zweckgebunden und weginflationiert. Dies ist ein Problem, das uns die Politik der 70er und 80er Jahre beschert hat – also nicht den heute jungen Leistungsträgern umzuhängen.

Betrachtet man noch die jährlichen Pensionssubventionierungen aus Steuermitteln und geliehenem Geld (erstere finanzieren v.a. aktuelle Leistungsträger und zweitere zukünftige Leistungsträger – also keinesfalls aktuelle Pensionistinnen und Pensionisten) mit dem die Pensionen auf das Niveau ihrer „wohlerworbenen Rechte“ angehoben werden, ergibt sich folgendes, perverses Bild:

Die angewarteten Pensionen der aktuellen Pensionistinnen und Pensionisten sind nicht vorhanden. Die aktuellen Pensionistinnen und Pensionisten bestehen natürlich auf ihre „wohlerworbenen Rechte“.
Die daraus entstehende Finanzierungslücke für die Altersversorgung tragen junge Leistungsträger, die aber eben in der Lage sein wollen sich ihre eigene Existenz zu schaffen. Stattdessen müssen sie herhalten, um die Generation des Wirtschaftswunders, die übrigens die erste Generation Europas ist, die niemals Krieg, Hunger oder Leid ertragen musste, äußerst prächtig zu finanzieren.

Dieser Umstand ist ungerecht, unsolidarisch, unfinanzierbar und vor allem nicht zukunftsfähig. Man denke an den sozialen Frieden zwischen Jung und Alt.

Die Abflachung der Lebenseinkommenskurve muss daher mittelfristig prioritär behandelt werden. Junge Menschen wollen leben und gestalten und nicht als Melkkuh für Pensionisten und Pensionistinnen herhalten.
Wenn man das ganze Thema strategiepolitisch betrachtet, muss es eine baldige Änderung geben. Ich sage es, wie es ist: Ältere Menschen gehen nicht mehr so lange wählen wie es Junge tun werden – auch wenn die Älteren derzeit noch die Mehrheit stellen. Sie werden verstehen, dass die Jugend Luft zum Atmen braucht.

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3 Gedanken zu „Abflachung der Lebenseinkommenskurve

  1. Dein Unbehagen ist bis zu einem gewissen Grad verständlich, nur die Schlussfolgerungen und Handlungsaufforderungen die du daraus ziehst, sind entweder bedenklich oder schlicht ebenso falsch wie so manche geglaubte Fakten, auf die du das stellst.

    1. Eine Pension ist keine Sozialleistung, die man einfach mal so kürzen kann, wenn man lustig ist. Es ist eine Versicherungsleistung. Das bedeutet: Leute haben dementsprechend ins System eingezahlt. Das sind nicht spöttisch „wohlerworbene Rechte“, das sind schlicht Rechte. Für die demographische Entwicklung können diese Leute individuell sehr wenig bis nix. Und die ist derzeit das Problem.

    2. Prinzipiell spricht wohl wenig dagegen, die Lebenseinkommenskurve etwas abzuflachen. Nur sollte man bedenken: Wenn du das jetzt tust, sind alle Leute angeschissen, die heute seit 5-25 Jahren im Beruf sind, denn die haben bisher weniger verdient und würden auch später weniger verdienen. (Und diese Generation ist aufgrund diverser Krisen und Entwicklungen bereits ziemlich angeschissen, was ihr Lebenseinkommen angeht, weshalb gerechte Löhne ein wesentlich wichtigeres Thema zur Entlastung junger Menschen wären, als alles was du hier ansprichst). Diese Anpassung ist deshalb etwas, das du nur über einen Horizont von 30-50 Jahren machen kannst, wenn du nicht eine Generation opfern willst (und mit ihr langfristig volkswirtschaftlich wichtiges Kapital).

    3. Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie bedeutend die Lebenseinkommenskurve heutzutage überhaupt noch ist und in Zukunft sein wird. Ich vermags nicht zu sagen. In unserer Lebenszeit ist es sicher nichts ungewöhnliches, häufiger mal den Job zu wechseln und dementsprechend automatische Meriten immer wieder zu verlieren. Das macht diese Kurve bereits flacher.

    4. Vielleicht sollte man auch mal darüber nachdenken, dass die hohen Einkommen für ältere Menschen tatsächlich eine gute Sache für die Pensionsfinanzierung sein könnten. (Aber ich sags dazu: da spekuliere ich jetzt ein bisserl.) Denn sie motivieren Menschen, länger im Beruf zu bleiben um nochmal ein paar Jahre viel zu verdienen und in Folge höhere Pensionen zu beziehen. Gleichzeitig sind diese hohen Alterseinkommen ein Faktor, der die Altersarbeitslosigkeit steigert. Das ist schlecht für die kurzfristigen Staatsausgaben (und für die Menschen), aber eigentlich gut für die langfristigen Pensionsausgaben, die dir so viele Sorgen bereiten, denn diese sinken dadurch über die gesamte Pensionslebenszeit.

    5. Was hat die Lebenseinkommenskurve sonst eigentlich mit den Pensionen zu tun? Nichts, wenn du mich fragst. Denn die absolute Menge an Finanzierungszuschüsse durch das Steuersystem ändert sich dadurch nicht. Ob du nun als junger Wenigverdiener wenig und als alter Mehrverdiener mehr ins System einzahlst oder immer ca. gleich viel: Komplett egal. Die Gesamtmenge bleibt gleich.

    6. Solange Pensionen Zuschüsse aus dem allgemeinen Steuerwesen brauchen, weil die Demographie das direkte Umlagesystem unter Druck setzt, geht es im Endeffekt um die Gerechtigkeitsfrage im Steuerwesen. Das einzige was du tun kannst, um junge Menschen (und damit Wenigerverdiener) zu entlasten, ist das gesamte Steuersystem progressiv zu gestalten. Die Einkommenssteuer ist dabei aber noch ein kleineres Problem. Eher gehts um die Deckelung von Sozialversicherungsbeiträgen (die macht unser Steuersystem für den Durchschnitts-Arbeitnehmer nämlich extrem belastend und bevorzugt Bestverdiener). Um die Umschichtung der Staatseinnahmenstruktur von Einkommen hin zu anderen Einkommensformen und Vermögen. Und um eine sozial verträgliche Ausgabenreduktion (bedenke: Viele Staatsausgaben kommen aber eher ärmeren Menschen zugute, du hilfst zum Beispiel jungen Familien einen feuchten Scheiss, wenn du ihre Wohnbauförderung, ihre Familienbeihilfe oder das Pflegegeld für die Oma kürzt, der sie dann was zuschießen müssen). Also geht es im weitesten Sinn um Umverteilung von Reich nach Arm.

    7. Außerdem, und das ist ein gravierender Punkt, der gegen deinen Text spricht, du unterstellst, dass Pensionisten „meist recht üppig ausgestattete“ Pensionen haben. Quelle? Der Durchschnitt lag laut Statistik Austria im Jahr 2013 nämlich bei 1.053 Euro … Brutto. Die meisten Pensionen sind entgegen deiner zugrundeligenden Annahme absolut nichts, worauf man allzu neidig blicken müsste. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/soziales/sozialleistungen_auf_bundesebene/pensionen_und_renten/041214.html

    8. Unter anderem deshalb halte ich diesen Alt vs. Jung-Konflikt, den du da in deinem Text deutlich anstachelst für unheimlich kurzsichtig und fehlgeleitet. Eigentlich geht es doch um etwas komplett anderes. Im Kampf um eine gerechte Verteilung und soziale Absicherung geht es im Endeffekt darum, Arme zu unterstützen und dazu Beiträge von Reichen einzufordern. Es ist ziemlich egal, wie alt Leute dabei sind. Wer sich auf sowas konzentriert, landet allzu leicht in einem hässlichen Ellbogenkampf um die Krümel, statt bei einem gesitteten Anteil am Kuchen

    9. Kürz die Pension der Großeltern, und die Enkelkinder erben weniger.Und das betrifft natürlich die kleinen Vermögen der Mittelschicht viel härter, als die großen der Oberschicht. Es schadet gar nicht,darüber auch mal nachzudenken.

  2. Tom, du sprichst in vielen Punkten die Wahrheit – natürlich habe ich überzeichnet und provoziert. Man bedenke auch, dass ich diesen Schrieb für eine ganz bestimmte Zielgruppe verfasst habe.

    Meine Intention war zu zeigen, dass aus parteipolitischer Sicht die Jugend von den ehemaligen „Volksparteien“ vernachlässigt wird und man sich statt der Zukunft lieber über die Vergangenheit auseinandersetzt.

    Danke für dein Kommentar =)

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