Spaziergang der Freunde der Architekturfotografie zur #NSAvilla in Wien Währing – A walk to the NSA Safehose in Vienna Austria

In meinem ersten Blog über die #NSAvilla in Wien Währung habe ich einen Radfahrer erwähnt, der auf der Straße vom diensthabenden Exekutivbeamten perlustriert wurde. Ich habe vermutet, dass der Radler wegen Gehsteigradelns Strafe zahlen musste.

Dies hat sich mittlerweile als falsch erwiesen. Der Blogger Raphael schreibt einen Tag später, dass er wegen Fotografierens des US Objekts perlustriert wurde. Er war mit dem Rad unterwegs. Was für ein Zufall! Da wird der eine angehalten und der andere hat die Chance Fotos zu machen. Teamwork ohne Team sozusagen. Raphael’s Blog hat wiederum den Wiener Kommunikator Rudi Fußi auf den Plan gerufen, der flugs zu einem Sonntagnachmittagsausflug interessierter Architekturfotografen zur #NSAvilla via Facebook einlud. Der Spaziergang war eine willkommene Einladung für mich das Objekt ein weiteres Mal zu besuchen.

Nachdem ich meine Fotos ja schon gemacht hatte, konnte ich mich also heute voll und ganz auf das Spektakel an sich konzentrieren. Es hatte sich ja auch Peter Pilz angesagt und der gilt ja seit Jahrzehnten als Garant für besondere Einlagen, wenn es darum geht die Exekutive aufs Korn zu nehmen. Also habe ich vorab die Beamten schon ein bisschen beobachtet.

Gegen fünfzehn Uhr trafen etwa einhundertfünfzig Bürger, Journalisten, Politiker und in etwa drei interessierte Architekturfotografen bei der #NSAvilla in Wien Währing ein. Für die Sicherheit der spaziergehenden Kulturinterssierten sorgte einerseits das Mitglied des nationalen Sicherheitsrates Peter Pilz und andererseits die ehemals sogenannte WienerEinsatzGruppeAlarmabteilung.

Architekturdokumentation. Einführungsvorlesung.

Als man sich vor dem Tor der #NSAvilla eingefunden hatte, wurden die eifrigen Dokumentare zeitgenössischer Spionagearchitektur von der Veranstaltungsleitung erst einmal auf die Besonderheiten des Gebäudes hingewiesen. Man ist ja kein Architekt, aber etwas mehr hätten die Vortragenden auf die Baulichkeit schon eingehen können.

Pilz: „Den Rest klären wir im Sicherheitsrat. […] Der steht unter strengster Geheimhaltung und ich werde dann im Anschluss gerne berichten…“

Die WEGA langweilte sich im Schatten während vor dem Tor der #NSAvilla wild geknipst, gedreht, und gemunkelt wurde. Auf meine Frage an Pilz welche architektonische Stilrichtung nun dem besagten Gebäude zu Grunde läge, bekam ich leider keine Antwort. Ein Stimme aus dem Off meinte trocken: „Bauweise? – Neoliberal“ Raunen und Gelächter im Publikum.

Rudi Fußi, seines Zeichens Initiator der Fotosafari, beim Interview für Wien Heute. Ein recht witziger Bericht war am Abend im Regionalfernsehen des ORF Wien  zu sehen.

ORF-Reporter: „Haben Sie damit heute Gegenspionage oder Abwehr betrieben?“

Fußi: „Ich glaub, weder noch. Es ist ein Spaziergang. Nicht mehr und nicht weniger.“

Streng Geheim: Spaziergang zum NSA-Stützpunkt? via ORF TVThek

Eine kleine Unterredung mit dem Einsatzleiter der Exekutive musste natürlich auch sein. Dieser bestätigte Pilz, dass es keinen Befehl zur Identitätsfeststellung der Fotografierenden mehr gäbe. Hmmm. Na gut. Dabei hatte jeder ganz brav seinen amtlichen Lichtbildausweis mitgebracht. Die freundlichen Beamten nahmen die ganze Sache mit Humor und hielten sich dezent im Hintergrund.

Abschließend hatte ich noch die Möglichkeit Pilz kurz zu befragen was er denn eigentlich gegen die Datensammlerei der Amerikaner konkret tun würde. Denn bis dato geht es ihm ja schlicht darum, dass die österreichische Exekutive die #NSAvilla bewacht und Mietsherrifs den Wachebeamten Anweisungen erteilen, die wiederum die Identität von interessierten Hobbyfotografen feststellen. Nicht hat er gesagt was er gegen den Datenhunger der US-Behörden an sich tun will. Ein lapidares „Damit wird sich der Nationale Sicherheitsrat auch beschäftigen“ war Pilz zu entlocken.

Es wäre falsch die #NSAvilla zum Wahlkampfthema zu machen

Die Befehle der Wachebeamten interessieren Pilz offenbar mehr als die systematische Ausspähung österreichischer Kommunikation im Netz. Das gibt im Wahlkampf auch mehr her und ist griffiger. Es ist einerseits einfacher amtierende Minister – egal ob rot oder schwarz – im Wahlkampf anzupatzen, als Stimmung gegen den für den Durchschnittsbürger schwer greifbaren Überwachungsapparat der USA zu generieren. Andererseits ist es aber die Simplifizierung und Modifikation auf Wahlkampfsprech eines viel größeren Problems, das die Menschenrechte aufs Tapet bringt. Das will Pilz anscheinend nicht thematisieren. Hier war mehr zu erwarten.

Wie im Grundbuch steht, gehört das Anwesen bereits seit 1971 der US Botschaft. Wieso wusste Pilz als Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates nichts davon? Dieses Spielchen würde der Diskussion um Netzneutralität, Datenspinonage, Hardwaremanuipulation et cetera dem österreichischen Wahlkampf zum Opfer fallen.

Es wird die NSA auch wohl kaum interessieren, falls die österreichischen Exekutivbeamten vollends abgezogen werden. An der Überwachungsmaschinerie wird das nichts ändern. Darauf hätte ich mir eigentlich konkretere Antworten von Pilz erwartet, als diesen platten Angriff auf das Innen- und Verteidigungsministerium.

Wenigen Fotosafaristen ging es um die Wachbefehle der Exekutive. Vielen anderen ging es um die Datenüberwachung der Amerikaner in Österreich.

Storify mit allen wichtigen Tweets von derStandard.at/web

ORF Wien Heute TVThek Bericht

Die #NSAvilla in Wien – Ein Lokalaugenschein

Wie das Nachrichtenmagazin FORMAT gestern erstmals berichtet hat, gibt es am westlichen Wiener Stadtrand eine „Lauscheinrichtung“ der NSA.

Eingebettet in die ruhige Gegend eines Wiener Außenbezirkes, haben sich die US-Spione ein strategisch günstig gelegenes Fleckchen Wien ausgespäht. In Anlehnung an den deutschen Daniel Bangert und seinen Spaziergang zum Dagger Complex wollte ich auch eine kleine Fotosafari unternehmen. Um die Späher ein wenig auszuspähen.

FORMAT hat allerdings ausdrücklich erwähnt, dass es die Veröffentlichung von Fotos aus rechtlichen Gründen unterlässt. Hmm. Welche rechtlichen Gründe das sind, wird leider nicht erwähnt. Außerdem hat Peter Pilz auf Facebook geschrieben, dass das PKW-Kennzeichen seines Fotografen notiert wurde, den der Grün-Abgeordnete offensichtlich losgeschickt um die #NSAvilla abzulichten. Ich bin weder Jurist noch Fotograf oder Journalist. Dementsprechend habe ich mir mal so meine Gedanken über rechtliche Konsequenzen gemacht.

DerStandard hat Anfang Juni über ein angebliches Fotografierverbot vor der chinesischen Botschaft in Wien berichtet. Die österreichischen Behörden haben bestätigt, dass die Verhängung eines Fotografierverbot seitens der Botschaft nicht legal ist. Trotzdem kann das Innenministerium ein solches Verbot erlassen. Und vor besagten Villa stehen österreichische Exekutivbeamten – keine Mietsheriffs. Ob ein Fotografierverbot für die #NSAvilla besteht, weiß ich nicht und habe somit wahrscheinlich fahrlässig gehandelt, als ich mich heute Nachmittag auf die Fotosafari gemacht habe. Zu meiner Verteidigung muss gesagt werden, dass es vor Ort keine Hinweise auf besondere Vorschriften oder Verbote gibt.

Also bin ich los. Es war nicht sehr schwer die genaue Adresse über Twitter und das DerStandard Forum herauszubekommen. Schwieriger war es möglichst unauffällig ein paar Schnappschüsse zu machen und dabei nicht erwischt zu werden. Ich hatte ja keine Ahnung was mir blühen könnte und musste davon ausgehen, dass die werten US-Spione auch das FORMAT lesen und eventuell Hobby-Fotografen in Scharen erwarten würden. Dem war nicht so. Ich hatte Glück.

Der Exekutivbeamte, der auf der Straße Wache gehalten hatte, war nämlich tatsächlich soeben dabei einen auf dem Gehsteig gegenüber radelnden Mann anzuhalten und zu beamtshandeln. Nur so nebenbei: Der Radler musste wirklich Strafe zahlen. Das Wachhäuschen blieb leer und ich war bis auf die unzähligen auf die Straße gerichteten Kameras unbeobachtet. Das gab mir die Gelegenheit ein paar schnelle Schnappschüsse zu machen und wieder abzuhauen.

Die von der Straße sichtbaren Antennen am Dach des Komplexes lassen auf nicht weniger als achtundreißig Fernseher schließen. Auf Google Maps kann man auch eine Art Gartenhaus erkennen auf dem sich zusätzliche Sende- und Empfangseinrichtungen befinden. Tageslicht mögen die Spione anscheinend auch nicht so gern. Fast alle Jalousien sind geschlossen.

Angespornt von meinem neu entdeckten konspirativen Fähigkeiten – also Glück, habe ich trotzdem noch den Versuch gewagt ein Video aus dem fahrenden PKW zu drehen. Das Ergebnis war trotz professionellster Kamerapositionierung – eingequetscht zwischen Rückenlehne des Beifahrersitzes und Kopfstütze – eher bescheiden.

Heute ist außerdem publik geworden, dass die NSA auch bis dato als sicher eingeschätzte Verschlüsselungstechniken knacken kann. Die Entschlüsselung Österreichischer Internetdaten könnte also genau hier – in der #NSAvilla passieren.