Die #NSAvilla in Wien – Ein Lokalaugenschein

Wie das Nachrichtenmagazin FORMAT gestern erstmals berichtet hat, gibt es am westlichen Wiener Stadtrand eine „Lauscheinrichtung“ der NSA.

Eingebettet in die ruhige Gegend eines Wiener Außenbezirkes, haben sich die US-Spione ein strategisch günstig gelegenes Fleckchen Wien ausgespäht. In Anlehnung an den deutschen Daniel Bangert und seinen Spaziergang zum Dagger Complex wollte ich auch eine kleine Fotosafari unternehmen. Um die Späher ein wenig auszuspähen.

FORMAT hat allerdings ausdrücklich erwähnt, dass es die Veröffentlichung von Fotos aus rechtlichen Gründen unterlässt. Hmm. Welche rechtlichen Gründe das sind, wird leider nicht erwähnt. Außerdem hat Peter Pilz auf Facebook geschrieben, dass das PKW-Kennzeichen seines Fotografen notiert wurde, den der Grün-Abgeordnete offensichtlich losgeschickt um die #NSAvilla abzulichten. Ich bin weder Jurist noch Fotograf oder Journalist. Dementsprechend habe ich mir mal so meine Gedanken über rechtliche Konsequenzen gemacht.

DerStandard hat Anfang Juni über ein angebliches Fotografierverbot vor der chinesischen Botschaft in Wien berichtet. Die österreichischen Behörden haben bestätigt, dass die Verhängung eines Fotografierverbot seitens der Botschaft nicht legal ist. Trotzdem kann das Innenministerium ein solches Verbot erlassen. Und vor besagten Villa stehen österreichische Exekutivbeamten – keine Mietsheriffs. Ob ein Fotografierverbot für die #NSAvilla besteht, weiß ich nicht und habe somit wahrscheinlich fahrlässig gehandelt, als ich mich heute Nachmittag auf die Fotosafari gemacht habe. Zu meiner Verteidigung muss gesagt werden, dass es vor Ort keine Hinweise auf besondere Vorschriften oder Verbote gibt.

Also bin ich los. Es war nicht sehr schwer die genaue Adresse über Twitter und das DerStandard Forum herauszubekommen. Schwieriger war es möglichst unauffällig ein paar Schnappschüsse zu machen und dabei nicht erwischt zu werden. Ich hatte ja keine Ahnung was mir blühen könnte und musste davon ausgehen, dass die werten US-Spione auch das FORMAT lesen und eventuell Hobby-Fotografen in Scharen erwarten würden. Dem war nicht so. Ich hatte Glück.

Der Exekutivbeamte, der auf der Straße Wache gehalten hatte, war nämlich tatsächlich soeben dabei einen auf dem Gehsteig gegenüber radelnden Mann anzuhalten und zu beamtshandeln. Nur so nebenbei: Der Radler musste wirklich Strafe zahlen. Das Wachhäuschen blieb leer und ich war bis auf die unzähligen auf die Straße gerichteten Kameras unbeobachtet. Das gab mir die Gelegenheit ein paar schnelle Schnappschüsse zu machen und wieder abzuhauen.

Die von der Straße sichtbaren Antennen am Dach des Komplexes lassen auf nicht weniger als achtundreißig Fernseher schließen. Auf Google Maps kann man auch eine Art Gartenhaus erkennen auf dem sich zusätzliche Sende- und Empfangseinrichtungen befinden. Tageslicht mögen die Spione anscheinend auch nicht so gern. Fast alle Jalousien sind geschlossen.

Angespornt von meinem neu entdeckten konspirativen Fähigkeiten – also Glück, habe ich trotzdem noch den Versuch gewagt ein Video aus dem fahrenden PKW zu drehen. Das Ergebnis war trotz professionellster Kamerapositionierung – eingequetscht zwischen Rückenlehne des Beifahrersitzes und Kopfstütze – eher bescheiden.

Heute ist außerdem publik geworden, dass die NSA auch bis dato als sicher eingeschätzte Verschlüsselungstechniken knacken kann. Die Entschlüsselung Österreichischer Internetdaten könnte also genau hier – in der #NSAvilla passieren.